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Dana

Ribbel- und Recycling- Queen

  • »Dana« ist der Autor dieses Themas

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1

Dienstag, 23. Februar 2016, 18:15

Lebenszeichen

Hallo Ihr Lieben,

wer mich noch kennt, es gibt mich noch. Ich habe in den vergangenen Wochen genäht und gestrickt, aber noch keine Fotos gezeigt. Seit mein Hund gestorben ist, habe ich etwas zugenommen. So bin ich dran gegangen, Röcke und Hosen zu verändern. Ich mag einfach nicht alles wegwerfen und es wird immer mehr und mehr produziert. Z.B. habe ich bei H&M einen Rock gesehen, der fast genauso aussah, wie ich früher einen hatte in Gr. 34. Nichts einfacher als ein paar der Falten aufzumachen. Er ist echt schick. Und aus einer "Stiefelhose" habe ich auch einen Rock gemacht. Ich liebe den Stoff, er ist oliv und total elastisch. Bei Gelegenheit werde ich die Fotos zeigen.
Mitte Januar ist mein Vater gestorben. Er ist 87 Jahre alt geworden. Trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet. Im Herbst war er kurz im Krankenhaus. Seine Laborwerte waren alle gut. Ich habe oft gedacht, wenn ich mich verabschiedet habe, "werden wir uns wiedersehen?" Ja, das haben wir. Ich habe mir immer vorgestellt, wie gruselig das sein muss, wenn jemand stirbt. Aber nein, ich war bei ihm und das war gut. Ich habe ihm gesagt, dass ich da bin und dass wir das zusammen durchstehen. Ob er mich gehört hat, weiß ich nicht.
Mein Vater war die letzten Jahre im Pflegeheim, da er im Rollstuhl saß. Seine positive Einstellung hat mich sehr beeindruckt. Er hatte dort eine schöne Zeit, abgesehen von den körperlichen Beschwerden. Die Pflegekräfte waren immer sehr liebevoll. Da hatten wir richtig Glück.
Er hatte am Tag zuvor gesagt, dass ein Pfarrer kommen soll. Als ich da war, kam auch der Pfarrer. Danach hat auch sein Hausarzt noch nach ihm geschaut. Es war nicht davon auszugehen, dass er Schmerzen hat. Selbst der Arzt dachte nicht, dass alles so schnell geht. Es hätte noch Tage so weiter gehen können und dann waren es nur noch Stunden.
Ich habe mit meinem Vater geredet und ihm gesagt, dass alles gut ist. Dass er immer ein guter Vater war. Dass er alles richtig gemacht hat. Dass kein anderer Mensch jemals so viel Vertrauen zu mir hatte. Und ich ihm dafür unendlich dankbar bin. Er hat immer ruhiger geatmet und irgendwann ist er einfach eingeschlafen. Es war für mich ein trauriges aber sehr bedeutendes Erlebnis. Die Situation war so friedlich und innig. Seine Hand in meiner Hand. Früher war es umgekehrt. Ich glaube, jeder würde sich wünschen so zu sterben. Jetzt ist die Zeit gekommen, in der ich fühle, dass es endgültig ist. Ich bin dankbar für die vielen gefühlvollen Erlebnisse, die ich mit ihm und auch im Zusammenhang mit seinem Tod hatte.
Ich genieße eine Zeit der Stille und obwohl es heute bei uns geschneit hat, fängt doch der Frühling an. Alles beginnt von Neuem und es kommt und geht.
Ich will Euch damit nicht traurig machen. Es ist alles gut so. Im Laufe des Lebens müssen wir uns von vielen Menschen verabschieden. Meist sind wir nicht so nah dabei. Es kann sehr ergreifend und würdevoll sein und es steht nicht immer der Schmerz im Vordergrund. Sorry, dass ich das jetzt los werden musste.
Wenn es nicht so früh wäre, könnten wir ein Gläschen auf ihn trinken. Von ihm habe ich gelernt "Man muss mit den Augen und den Ohren stehlen." Er hat immer wissen wollen, wie alles funktioniert und hat fast alles selber gemacht. So werden wir auch hier weiterhin "mit den Augen und den Ohren stehlen" und uns gegenseitig zeigen und helfen und aufmuntern und trösten.
LG

Dana :sport006: :cat02: :schaf02:

Amelie

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2

Dienstag, 23. Februar 2016, 18:23

Liebe Dana
..... es ist nicht zu früh um ein Gläschen auf deinen Vater zu trinken ;-)
lass dich drücken und erzähl ruhig weiter, ich hör dir gerne zu :frm012:
Liebe Grüße
Amelie

....... die gerade ein buntes Tuch webt ;-)

Helli69

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3

Dienstag, 23. Februar 2016, 18:29

Liebes,

ich weiß was Du fühlst, habe Anfang Dezember erst meine Schwester verloren.
Herzinfarkt , ohne Vorwarnung. Stehe auch noch neben mir, hab das noch gar nicht verdaut.

:stre:
Schnurrige und Wollige Grüße :cat02:
:schaf02:

Forenregeln, so gehts :game:

Amelie

Quilterin aus Leidenschaft

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4

Dienstag, 23. Februar 2016, 18:35

Helga, komm setzt dich zu uns
kriegst auch ein Gläschen
ich kann gut zuhören und mitweinen und Geschichten aufsaugen....... :freundschaft:
Liebe Grüße
Amelie

....... die gerade ein buntes Tuch webt ;-)

UrsulaTh

Fortgeschrittener

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5

Dienstag, 23. Februar 2016, 19:42

Liebe Dana,

schön, daß du uns deine letzten Wochen so liebevoll und klar aufgeschrieben hast. Die meisten von uns werden beim Lesen ein Tränchen (oder auch mehrere) verdrückt haben. Fast alle von uns kennen die Gefühle bei dem Verlust eines lieben Menschen. Bei dem Einen war es so friedlich, wie in deinem Fall, bei dem Anderen vielleicht weniger.
Und wenn wir uns heute Abend hinsetzten, und ein Gläschen Wein oder Tee trinken, werden wir an dich denken.
Fühle dich mal liebevoll umarmt :stre:

liebe Grüße
Uschi =)
liebe Grüße
Uschi =)

Dana

Ribbel- und Recycling- Queen

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6

Dienstag, 23. Februar 2016, 19:43

Helli, mein herzliches Beileid. Siehst Du, das ist ein ganz anderer Abschied. Sie hatte noch so viel Leben vor sich. Und man versteht nicht warum. Wir sollten jeder ein bisschen für sie mitleben und auch ein Glas auf sie trinken. Ich drück Dich mal sehr fest.
Danke Amelie, dass Du uns Gesellschaft leistest. Wenn wir unsere Lieben ein bisschen in uns hineinsterben lassen, haben wir sie immer bei uns.
LG

Dana :sport006: :cat02: :schaf02:

Ormele

Königin der Perlen

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7

Dienstag, 23. Februar 2016, 20:27

Dana und Helli, fühlt Euch :frm017: gedrückt und umarmt von mir, ich werde jetzt auch ein Gläschen Rotwein trinken und in Gedanken bei Euch sein.
Liebe Grüße vom Ormele :bripu :les: :byeee:

Dana

Ribbel- und Recycling- Queen

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8

Dienstag, 23. Februar 2016, 21:18

Danke Uschi und Ormele, so sitzen wir heute ganz unerwartet zusammen.

Und da will ich Euch noch eine Geschichte erzählen. Sie ist wahr, ich habe nichts hineininterpretiert oder dazu gedichtet.

Einige von Euch wissen, dass mein lieber Hund Berry im Juli letzten Jahres gestorben ist.
Mein Vater war am 2. November im Krankenhaus, weil sein Fuß entzündet war. Er bekam Antibiotika intravenös und hat geschlafen, als ich ihn besucht habe. Sein Bettnachbar hatte Besuch von vier Personen. Die Frau hat mich gefragt, wie alt mein Vater sei und was er hat. Sie meinte für sein Alter sieht er noch sehr gut aus. Dann hat sie von ihrem Mann berichtet, dass er manchmal Sachen sehe, die nicht wirklich seien und man ihn nicht mehr allein lassen könne. Manchmal habe er Angst, weil er z.B. Menschen sieht, die den Rollladen hoch schieben und durch das Fenster gucken. Ähnliches hatte mein Vater auch schon erlebt, aber das ging vorüber. Der Sohn des Bettnachbarn hat sich sehr um den Vater bemüht, sie hatten Angelegenheiten betr. Krankenversicherung zu klären. Der Bettnachbar hat mich gefragt, ob wir uns vielleicht vom Kindergarten kennen, weil er dort immer seine Enkelin abgeholt habe. Das konnte jedoch nicht sein. Als die Besucher weg waren, habe ich am Bettende nach dem Namen des Mannes gesehen und mir wurde klar, dass wir uns wirklich kennen, allerdings beruflich. Er hatte damals volles schwarzes Haar und war ein stattlicher Mann. Jetzt ergraut und im Bett liegend hatte ich ihn nicht gleich erkannt.
Da mein Vater schlief kam ich mit dem Mann ins Gespräch und wir haben über seine Kollegen geredet, mit denen ich damals zu tun hatte. Manche davon waren mittlerweile gestorben. Dann sagte er, er müsse mich fragen, ob ich einen Hund mitgebracht hätte. Ich sagte natürlich nein, und wir wären doch in einem Krankenhaus, da wären Hunde verboten. Er sagte, er sähe am Bett meines Vaters einen Hund mit langen Haaren. Immer wenn ich rede, würde der mit dem Schwanz wedeln und wenn ich aufhöre, hört er auch auf. Ich habe nachgesehen, was er wohl sehen könnte, denn auf dem Nachttisch meines Vaters lag ein Handtuch und im Fenster hat sich auch so einiges gespiegelt. Wir sind aber nicht drauf gekommen. Wir haben dann weiter geredet, alles völlig normal und als ich mich verabschiedet habe, hatten wir beide ein tiefes Gefühl von Freude, dass wir uns getroffen hatten. Er hat sich mehrmals für das schöne Gespräch bedankt.
Ich habe mich gefragt, ob es etwas gibt zwischen Himmel und Erde, das wir nicht wissen. Warum hat er diesen Hund gesehen mit langen Haaren. War es mein Berry? Warum saß er da? Wollte er schon Bescheid geben, dass er auf meinen Vater aufpasst? Mein Vater hatte immer viel Freude, wenn ich Berry ins Pflegeheim mitbrachte und hat sich amüsiert weil mein Hund so auf mich fixiert war. Berry wusste, dass wir nach dem Besuch immer einen schönen Spaziergang im angrenzenden Naturschutzgebiet machen.
LG

Dana :sport006: :cat02: :schaf02:

Helli69

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9

Mittwoch, 24. Februar 2016, 04:58

Ja Dana,
Es ist manchmal unbegreiflich aber ich glaube wenn Du ihm ein Bild von Barry gezeigt hättest , hätte er ihn sicher erkannt.

Danke auch anEuch alle für die Lieben Worte, ich werde am WE für Euch und Marins ein Gläschen mittrinken.

Mich tröstet auch das Marina und ich täglich telefonierten /schrieben und jedes Gespräch mit einem "Hab Dich Lieb" endete.
Wieviele wünschen Sie hätten das noch sagen können ??
Schnurrige und Wollige Grüße :cat02:
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10

Mittwoch, 24. Februar 2016, 13:53

Dana und helli,

mein herzliches Mitgefühl euch beiden.
Ja, es gibt mehr als wir sehen und wissen, aber wenn wir aufmerksam sind können wir uns wieder dafür öffnen. Die Wissenschaftsgläubigkeit schränkt uns manchmal ein in unseren Möglichkeiten.

liebe Grüße
Lehrling

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